Gunter Demnig verlegt 39 neue Stolpersteine
Denkmale für Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurden

Am 15. und 16. März 2022 verlegt der Künstler Gunter Demnig an 14 Orten in Köln insgesamt 39 neue Stolpersteine. Stolpersteine sind kleine Denkmale für Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus unterschiedlichen Gründen verfolgt wurden. Sie werden vor den ehemaligen Wohnhäusern verlegt, in denen die Menschen vor ihrer Flucht oder Verhaftung lebten. Damit erinnern sie individuell an das Schicksal der Verfolgten und werfen gleichzeitig Fragen nach Täter- und Mittäterschaft auf.

Die neuen Stolpersteine der aktuellen Verlegung erinnern ausschließlich an Menschen, die während der NS-Zeit als jüdisch verfolgt wurden. Die einzige Ausnahme bildet ein Stolperstein, der am 15. März 2022 nachmittags in Erinnerung an Michael Krath in der Bamberger Straße 16 verlegt wird. Michael Krath war im Widerstand für die KPD aktiv und wurde 1933 wegen angeblicher Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt. Nach seiner Entlassung 1935 ging er nach Spanien und schloss sich dort im Spanischen Bürgerkrieg den Internationalen Brigaden gegen den Diktator Francisco Franco an. Im Juli 1937 kam er in der Sierra de Guadarrama in Zentralspanien ums Leben.

Darüber hinaus wird in der Bobstraße ein Abschnitt der Messingspur zum Gedenken an die im Mai 1940 aus Köln deportierten Sinti*ze und Rom*nja verlegt.

Das Projekt der Stolpersteine beruht auf bürgerschaftlichem Engagement. Ein Stein kann dann verlegt werden, wenn Einzelne oder Gruppen eine kostenpflichtige Patenschaft übernehmen. Neben Einzelpersonen, Firmen und Vereinen übernehmen auch mehrere Kölner Schulen regelmäßig Patenschaften für neue Steine.

Die Initiative, einen Stolperstein verlegen zu lassen, geht häufig von Angehörigen und Nachfahren der ehemaligen Kölner Bürger*innen aus. In den meisten Fällen stehen sie bereits seit längerem in Kontakt mit dem NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln und haben mit dessen Unterstützung die Geschichte ihrer Familie in Köln recherchiert: Mit den Stolpersteinen möchten sie nun an das Schicksal ihrer Vorfahren erinnern und sie damit auch ein Stück weit wieder in ihre frühere Heimatstadt zurückkehren lassen.

Aufgrund der anhaltenden Pandemielage ist es auch in diesem Jahr jedoch nur sehr wenigen Angehörigen möglich, zur Verlegung der Steine in Erinnerung an ihre Vorfahren anzureisen.

Theresia und Adolf Isay überlebten den Holocaust dank der Hilfe von Menschen, die sie versteckten, unterstützten und ihnen damit das Leben retteten. Theresia Isay kam 1880 in Wien in einer christlichen Familie als Theresia Liederer zur Welt. Adolf Isay, 1875 in Köln geboren, stammte aus einer alteingesessenen jüdischen Kaufmannsfamilie. Sein Vater Jacob hatte zusammen mit seinem Bruder Moritz 1871 in Köln eine Großhandlung für Tücher, Woll- und Strickwaren gegründet. Nach dem Ausscheiden der beiden Firmengründer führte Adolf Isay zusammen mit seinem Bruder Siegfried und einem Cousin das Unternehmen in bester Kölner Innenstadtlage – an der Zeppelinstraße/Ecke Alte Post – fort.

Die Ehe von Theresia und Adolf Isay blieb kinderlos. Das Ehepaar lebte in Rodenkirchen in der Uferstraße 30. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde das „Geschäft für Trikot und Strumpfwaren der Brüder Isay“ 1933 in die „Wistri Gesellschaft für deutsche Wirk- und Strickwaren GmbH“ umgewandelt und wenig später unter Wert verkauft. Auch privat litten Theresia und Adolf Isay unter den Repressalien des NS-Regimes. Am 1. April 1933, dem Tag des Boykotts gegen jüdische Geschäftsleute, Ärzte und Juristen, durchsuchte eine Abordnung der SS ihr Haus in Rodenkirchen und entwendete Wertgegenstände. Am Abend des 9. November 1938, noch kurz vor Beginn des reichsweiten Pogroms, wurde Adolf Isay verhaftet. Allein der Einsatz seiner Ehefrau bewahrte ihn vor einer Deportation in das Konzentrationslager Dachau. Nur wenige Tage später drohte man ihm mit der Enteignung seines Hauses in der Uferstraße. Er verkaufte das Gebäude daraufhin an seinen Neffen Franz Weiss, und das Ehepaar zog an den Bayenthalgürtel 43.

Als ihre neue Bleibe im Juli 1943 ausgebombt wurde, begann für Theresia und Adolf Isay eine fast zweijährige Odyssee. Zunächst kamen sie bei Franz Weiss und seiner Familie in ihrem ehemaligen Haus an der Uferstraße unter, mussten die Unterkunft jedoch bald wieder verlassen, weil Adolf Isay als Jude nicht mit seinen christlichen Großnichten unter einem Dach wohnen durfte. Drei Monate lebten sie versteckt bei dem Unternehmer Carl W. Löwe in der Eugen-Langen-Straße 2 in Marienburg, bevor sie zurück in das schwer beschädigte Haus am Bayenthalgürtel zogen und sich dort bis zur endgültigen Zerstörung des Gebäudes im Sommer 1944 im Keller versteckten. Die letzten Monate bis zur Befreiung Kölns am 6. März 1945 verbrachten Adolf und Theresia Isay in getrennten Verstecken, sahen sich jedoch täglich. Nach Ende des Krieges zog das Ehepaar zurück in das Haus in Rodenkirchen. Theresia Isay starb am 10. September 1953, Adolf Isay am 14. Mai 1956.

Vor der Verlegung eines Stolpersteins werden häufig noch einmal umfassende biographische Recherchen zu den Personen durchgeführt, um z. B. ihren letzten freiwillig gewählten Wohnort und die Familienverhältnisse belegen zu können. So auch im Falle des Ehepaars Isay. Dabei stellte sich heraus, dass Adolf Isay und Dr. Arthur Isay, für den im Anschluss ein Stolperstein vor dem Haus Hauptstraße 50 verlegt wird, Brüder waren.

Mit den Gedenksteinen für Else Kreuer und zwei ihrer Kinder werden die ersten Stolpersteine in Raderthal verlegt.

Else Kreuer, geborene Meyer, kam 1891 in Nieder-Zündorf zur Welt. Ihr Vater August war Pferdehändler und betrieb in der Thieboldsgasse 47 eine Metzgerei. Sie heiratete Karl Hermann Kreuer, einen Kölner Kaufmann, der eine Großhandlung für chemische Produkte, Farben, Lacke und Öle führte. Karl Kreuer war katholisch und wurde wegen seiner Verbindung mit einer Jüdin exkommuniziert. Auch die Familien der Brautleute standen der Verbindung des Paares zunächst skeptisch gegenüber. Rasch hintereinander wurden zwei Kinder geboren: 1919 kam Edith Ruth zur Welt, 1921 folgte Helmut. Knapp sechs Jahre später, im Jahr 1927, komplettierte Beate Dorothea die Familie. In Helmut Kreuers Erinnerung war die Ehe der Eltern sehr harmonisch. Beide tolerierten und respektierten den anderen in der jeweiligen Religionsausübung.

Im Januar 1934 starb Karl Kreuer und ließ Else mit drei heranwachsenden Kindern zurück. Die Familie blieb am Markusplatz 24 wohnen, wo sie seit 1926 lebte, und Else führte das Geschäft ihres verstorbenen Ehemannes weiter. Vor den Repressalien der Nationalsozialisten blieben sie und die Kinder zunächst verschont. Else hatte sich entschlossen, Ruth, Helmut und Beate christlich zu erziehen. Bald nach dem Tod des Vaters wurden sie getauft. Ostern 1934 ging Helmut zur Ersten Heiligen Kommunion und trat in die katholische Jugend ein. Der 13-Jährige besuchte inzwischen die Mittelschule in der Trierer Straße. Er erinnert sich an erste Probleme in der siebten oder achten Klasse, weil er nicht zu den Treffen der Hitlerjugend ging und keine hinreichende Erklärung dafür hatte. Schließlich legte ihm sein Klassenlehrer nahe, die Schule zu verlassen.

Helmut begann eine Ausbildung zum Schlosser und arbeitete bis zu seiner Flucht 1944 im Betrieb eines Verwandten in der Dürener Straße. Edith Ruth war verheiratet und lebte in ihrem eigenen Hausstand.

Doch die Mitglieder der Familie Kreuer gerieten zunehmend ins Visier der Nationalsozialisten. Nachbarn denunzierten sie, und Helmut wurde mehrmals von der SA und der Kölner Gestapo einbestellt. Im Sommer 1944 entschlossen sich Else, Helmut und Beate Kreuer zur Flucht in die Schweiz. Edith Ruth blieb mit ihrem Ehemann in Deutschland zurück. Die drei Flüchtlinge versteckten sich zunächst einige Monate in einem Dorf in Baden-Württemberg, am 5.​ Dezember 1944 passierten sie die deutsch-schweizerische Grenze.

Else Kreuer starb am 11.Juni 1973 im Alter von 82 Jahren in Basel. Helmut arbeitete in seiner neuen Heimat als Busfahrer. Er starb 2012, seine Schwester Beate am 18. Oktober 2014.

An der Verlegung werden Angehörige der Familie Kreuer teilnehmen.

Die Patenschaften für die Steine haben der „Bürgerverein RADERBERG und -THAL e.V.“ sowie einzelne seiner Mitglieder übernommen

Mit den Gedenksteinen für Else Kreuer und zwei ihrer Kinder werden die ersten Stolpersteine in Raderthal verlegt.

Else Kreuer, geborene Meyer, kam 1891 in Nieder-Zündorf zur Welt. Ihr Vater August war Pferdehändler und betrieb in der Thieboldsgasse 47 eine Metzgerei. Sie heiratete Karl Hermann Kreuer, einen Kölner Kaufmann, der eine Großhandlung für chemische Produkte, Farben, Lacke und Öle führte. Karl Kreuer war katholisch und wurde wegen seiner Verbindung mit einer Jüdin exkommuniziert. Auch die Familien der Brautleute standen der Verbindung des Paares zunächst skeptisch gegenüber. Rasch hintereinander wurden zwei Kinder geboren: 1919 kam Edith Ruth zur Welt, 1921 folgte Helmut. Knapp sechs Jahre später, im Jahr 1927, komplettierte Beate Dorothea die Familie. In Helmut Kreuers Erinnerung war die Ehe der Eltern sehr harmonisch. Beide tolerierten und respektierten den anderen in der jeweiligen Religionsausübung.

Im Januar 1934 starb Karl Kreuer und ließ Else mit drei heranwachsenden Kindern zurück. Die Familie blieb am Markusplatz 24 wohnen, wo sie seit 1926 lebte, und Else führte das Geschäft ihres verstorbenen Ehemannes weiter. Vor den Repressalien der Nationalsozialisten blieben sie und die Kinder zunächst verschont. Else hatte sich entschlossen, Ruth, Helmut und Beate christlich zu erziehen. Bald nach dem Tod des Vaters wurden sie getauft. Ostern 1934 ging Helmut zur Ersten Heiligen Kommunion und trat in die katholische Jugend ein. Der 13-Jährige besuchte inzwischen die Mittelschule in der Trierer Straße. Er erinnert sich an erste Probleme in der siebten oder achten Klasse, weil er nicht zu den Treffen der Hitlerjugend ging und keine hinreichende Erklärung dafür hatte. Schließlich legte ihm sein Klassenlehrer nahe, die Schule zu verlassen.

Helmut begann eine Ausbildung zum Schlosser und arbeitete bis zu seiner Flucht 1944 im Betrieb eines Verwandten in der Dürener Straße. Edith Ruth war verheiratet und lebte in ihrem eigenen Hausstand.

Doch die Mitglieder der Familie Kreuer gerieten zunehmend ins Visier der Nationalsozialisten. Nachbarn denunzierten sie, und Helmut wurde mehrmals von der SA und der Kölner Gestapo einbestellt. Im Sommer 1944 entschlossen sich Else, Helmut und Beate Kreuer zur Flucht in die Schweiz. Edith Ruth blieb mit ihrem Ehemann in Deutschland zurück. Die drei Flüchtlinge versteckten sich zunächst einige Monate in einem Dorf in Baden-Württemberg, am 5.​ Dezember 1944 passierten sie die deutsch-schweizerische Grenze.

Else Kreuer starb am 11.Juni 1973 im Alter von 82 Jahren in Basel. Helmut arbeitete in seiner neuen Heimat als Busfahrer. Er starb 2012, seine Schwester Beate am 18. Oktober 2014.

An der Verlegung werden Angehörige der Familie Kreuer teilnehmen.

Die Patenschaften für die Steine haben der „Bürgerverein RADERBERG und -THAL e.V.“ sowie einzelne seiner Mitglieder übernommen

Anlässlich des 50. Jahrestages der Deportation von 1.000 Rom*nja und Sinti*ze aus Köln im Mai 1940 entwarf Gunter Demnig gemeinsam mit dem Kölner Rom e.V. das Konzept einer Erinnerungsspur, die an die zu dieser Zeit weitgehend vergessenen Opfer der Deportation erinnern sollte. Hierfür zog er im Jahr 1990 eine Farbspur mit den Worten „Mai 1940 – 1.000 Sinti und Roma“ quer durch die Stadt. Ausgehend vom ehemaligen Internierungslager in Köln-Bickendorf, in dem ein Großteil der Kölner Rom*nja und Sinti*ze vor der Deportation unter menschenunwürdigen Bedingungen leben musste, führte die Spur vorbei an ehemaligen Wohnorten, aber auch an zentralen Orten ihrer Verfolgung, wie etwa dem EL-DE Haus am Appellhofplatz und dem Polizeipräsidium am Waidmarkt bis zum Bahnhof Deutz, von dem aus der Deportationszug im Mai 1940 die Stadt verließ. Die Spur machte deutlich, dass die Verfolgung und Deportation vor den Augen aller stattfand, doch Gunter Demnig wurde auf seinem Weg häufig mit Aussagen von zufällig Vorbeikommenden konfrontiert, die postulierten, man habe davon nichts wissen oder mitbekommen können. Vor dem Hintergrund dieser Erlebnisse entwickelte er in den folgenden Jahren das Projekt „Stolpersteine – Hier wohnte“, mit dem er der Gesellschaft erneut vor Augen führte, dass die Ausgrenzung und Verfolgung von Menschen durch das NS-Regime vor der eigenen Haustür stattfand.

Die Farbspur verblasste mit der Zeit, nach drei Jahren stimmte der Rat der Stadt Köln jedoch zu, sie an 23 Stellen im Kölner Stadtgebiet in Messing gießen zu lassen und damit dauerhaft zu erhalten. Doch auch am Messing nagt der Zahn der Zeit, so dass der Schriftzug vor der ehemaligen langjährigen Zentrale des Vereins Rom e.V. seit einigen Jahren nicht mehr zu lesen ist.

Dieser Abschnitt wird nun neu verlegt, begleitet wird die Verlegung durch ein etwa einstündiges Programm mit Musik und Ansprachen verschiedener Vertreter*innen aus Politik und lokalen Vereinen, darunter Frau Bürgermeisterin Brigitta von Bülow und Herr Ruzdija Sejdovic vom Vorstand des Rom e.V..

Josef Stein wurde 1869 in Lechenich geboren. Er war Inhaber mehrerer Möbelhäuser in Köln. 1901 hatte er zusammen mit seinem Bruder Benedikt das Möbelhaus Gebr. Stein gegründet und war Mitinhaber und später Alleininhaber der Firma Josef Leißner. Seine Ehefrau Auguste, geborene Rosenthal, kam 1874 in Groß-Steinheim in Hessen zur Welt. Nach dem Tod von Josef Stein im Oktober 1934 zog sie zunächst zu ihrem Sohn Hugo, der mit seiner Familie am Mauritiuswall 100 wohnte. 1936 wechselte der Mehrgenerationenhaushalt in eine Fünf-Zimmer-Wohnung in der Ehrenstraße 86.

Hugo Stein, 1898 in Köln geboren, war der älteste Sohn von Josef und Auguste Stein. 1933 übernahm er von seinem Vater das Möbelgeschäft Josef Leißner, musste es jedoch drei Jahre später verkaufen. Schon 1933 hatte die Familie die ersten drei Filialen aufgeben müssen. Inzwischen gehörte ihr nur noch eine Zweigstelle in der Krebsgasse 5. Hugo Stein heiratete am 18. Juli 1923 Anna Landau. Seine Ehefrau, die 1898 in Köln geboren wurde, war eine selbstbewusste junge Frau. Ihr Vater Isidor Landau führte in der Venloer Straße 308 ein Herrenmodengeschäft, sie selber gab in der Heiratsurkunde als Berufsbezeichnung „Geschäftsinhaberin“ an. Das Ehepaar wohnte zunächst in der Takustraße in Bickendorf. Dort wurde am 11. Mai 1925 Sohn Walter Siegfried geboren. Am 18. Dezember 1929 folgte Sohn Rolf Simon.

Von 1937 an verschlechterte sich die Lage der Familie zunehmend und sie musste ihre Wohnung in der Ehrenstraße 86 aufgeben. Kurz darauf wurde die letzte Filiale des einstigen Möbelimperiums „arisiert“. Am 15. Juni 1942 wurden Auguste, Anna und Hugo Stein in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo Auguste am 26. November 1943 starb. Anna und Hugo Stein wurde am 28. Oktober 1944 weiter in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Ihren Söhnen Walter und Rolf war im August 1941 mit einem Kindertransport der Hilfsorganisation German Jewish Children’s Aid die Flucht in die USA gelungen.

Zu der Verlegung werden Angehörige aus den USA anreisen.

Paten sind Privatpersonen sowie das Berufskolleg Ehrenfeld, welches bereits seit vielen Jahren regelmäßig Patenschaften für Stolpersteine übernimmt.

Pressemitteilung

40 Jahre Kölner Fotoagentur laif
​ Ausstellung mit 40 Positionen dokumentarischer und journalistischer Fotografie

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Kölner Fotoagentur laif zeigt das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) eine Ausstellung mit 40 Positionen dokumentarischer und journalistischer Fotografie von 1981 bis 2021. Die Agentur laif wurde 1981 von den vier Fotografen Günter Beer, Jürgen Bindrim, Manfred Linke und Guenay Ulutuncok in der Kölner Südstadt gegründet und vertritt heute mehr als 400 Fotograf*innen weltweit, darunter zahlreiche World-Press- und Pulitzer-Preisträger*innen.

Beim Pressegespräch stehen Stefan Charles, Beigeordneter für Kunst und Kultur der Stadt Köln, Petra Hesse, Direktorin des MAKK, Peter Bialobrzeski, Fotograf und Ausstellungskurator, Manfred Linke, Fotograf und Mitgründer von laif, und Silke Frigge, Geschäftsführerin laif, für Fragen zur Ausstellung zur Verfügung. Anschließend führen Peter Bialobrzeski und Manfred Linke durch die Ausstellung. Zur Ausstellung kommuniziert das MAKK auf seinen Social-Media-Kanälen mit dem Hashtag #40Jahrelaif.

Harald Naegeli in Köln
Museum Schnütgen zeigt Graffiti und Zeichnungen des Schweizer Künstlers

Harald Naegeli (*1939), der „Sprayer von Zürich“, kam gegen Ende des Jahres 1979 nach Köln. Seine nachts in den Straßen der Stadt gesprayten Graffiti von Skeletten wurden als „Kölner Totentanz“ berühmt. Am Westportal der Museumskirche St. Cäcilien des Museum Schnütgen wurde das letzte Graffiti aus den 1980er Jahren erhalten. Diese Totentanz-Figur wurde als Bestandteil des Baudenkmals der Kirche, die seit 1980 unter Denkmalschutz steht, und als kongeniale Ergänzung der Memento-Mori-Sammlung des Museums als Denkmal behandelt und konserviert.


Weniger bekannt sind Naegelis Zeichnungen auf Papier. 2018 schenkte er dem Museum Schnütgen 102 Zeichnungen und ein Mappenwerk mit Radierungen. Für die Ausstellung wurde daraus eine Auswahl getroffen, von kleinformatigen Arbeiten mit figürlichen Darstellungen bis zu den großformatigen, mystischen Tuschezeichnungen der „Urwolke“ aus feinsten Federstrichen und Punkten. Zusätzlich werden bislang nie gezeigte Leihgaben aus dem Züricher Atelier des Künstlers präsentiert: 20 Blätter der „Apokalypse“ mit dramatischen figürlichen Zeichnungen auf den zeitlos schwebenden „Teilen der Urwolke“.

Die Sonderausstellung eröffnet am 9. März 2022: „Harald Naegeli in Köln – Sprayer und Zeichner“ ist bis 12. Juni 2022 zu sehen.


Naegelis Arbeiten und eine Dokumentation des „Kölner Totentanzes“ treten dabei erstmals in einen unmittelbaren Dialog mit den mittelalterlichen Objekten des Museums sowie mit ausgewählten Leihgaben der Grafiksammlung „Mensch und Tod“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Anlass für die Ausstellung bildet neben der bedeutenden Schenkung das Förderprogramm „Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW“ des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Dieses ermöglichte es, die Kunsthistorikerin Erchen Wang für ein zweijähriges Forschungsvolontariat speziell zu Harald Naegeli am Museum Schnütgen zu beschäftigen. Zusammen mit Kim Mildebrath hat sie die Ausstellung kuratiert.

Teil der Ausstellung ist auch eine besondere Neuerwerbung des Museums: 21 buntfarbig gefasste Figurenpaare aus gebranntem Ton aus einem „Zizenhausener Totentanz“ des Herstellers volkstümlicher Tonfiguren Anton Sohn (1769–1840). In diesen führt jeweils der Tod Vertreter aller gesellschaftlichen Stände – vom Papst bis zum Koch – ins Jenseits. Der Ankauf dieses Kunstwerks aus dem 19. Jahrhundert, welches die Museumssammlung aber auch die Sonderausstellung hervorragend bereichert, wurde finanziert vom Freundeskreis Museum Schnütgen e.V., ergänzt durch das Preisgeld des Kölner Kulturrates anlässlich der Verleihung des Kölner Kulturpreises 2020 in der Kategorie „Kulturereignis des Jahres“ für die Sonderausstellung „Arnt der Bilderschneider“.

Förderer

Die Sonderausstellung wird großzügig durch den Freundeskreis Museum Schnütgen e.V. unterstützt.

Publikation zur Ausstellung

Zur Ausstellung ist im Verlag der Buchhandlung Franz und Walther König ein begleitendes Buch in deutscher Sprache erschienen. Die Publikation mit 150 Abbildungen in Farbe ist im Museum erhältlich.

Weitere Termine zur Sonderausstellung „Harald Naegeli in Köln – Sprayer und Zeichner:

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Freitag, 25. März 2022, 18 Uhr: Podiumsdiskussion mit Kulturdezernent Stefan Charles, Museumsdirektor Dr. Moritz Woelk, Autor Dr. Martin Stankowski, Kunsthistorikerin Dr. Barbara Hess, Streetart-Guide Michael Johne: „Die Bereicherung des öffentlichen Raums ist verboten – ein Gespräch über Kunst im öffentlichen Raum in Köln“, Ort: VHS-Saal, Museum Schnütgen.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Freitag, 1. April 2022, 19 Uhr: Konzert „No Future“ – eine Klangassemblage für Knochenflöten, Perkussion und Elektronik, mit Norbert Rodenkirchen und Rie Watanabe, Ort: St. Cäcilien, Museum Schnütgen.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Dienstag, 26. April 2022, 19.30 Uhr: Film „Der Sprayer von Zürich“ und Gespräch mit Regisseurin Nathalie David, Ort: VHS-Saal, Museum Schnütgen.

Solidaritätskonzert Stadt Köln

свобода – Freiheit Solidaritätskonzert für Musikerinnen und Musiker in der Ukraine Dienstag, 01. März 2022, 20.00 Uhr, Stadtgarten Köln Auf Initiative der ukrainischen, in Köln lebenden Musikerin Tamara Lukasheva und unter der Schirmherrschaft der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker veranstalten wir am kommenden Dienstag ein Solidaritätskonzert für die in der Ukraine lebenden und arbeitenden Musikerinnen und Musiker. Wir teilen die tiefe Bestürzung, die der aggressive kriegerische Überfall Russlands auf die Ukraine ausgelöst hat und stehen in Solidarität zu allen in der Ukraine lebenden Menschen, hier besonders zu den Musikerinnen und Musikern. Um diese Menschen direkt zu unterstützen, wollen wir nicht nur in Solidarität zu ihnen stehen, sondern ihnen auch möglichst schnell Geld zur Verfügung stellen. So werden wir gemeinsam mit Tamara Lukasheva einen Weg finden, alle Einnahmen, die aus diesem Konzert und weiteren Aktionen entstehen (Eintrittsgelder, Spenden, Honorar für WDR-Senderechte usw.) direkt an die Betroffenen weiterzuleiten. Der Konzert-Abend wird live auf WDR3 und via Video-Stream auf unserer Website übertragen. Er wird auch musikalisch ein besonderer: Unter Mitwirkung zahlreicher Musikerinnen aus Köln und NRW stellt Tamara Lukasheva ein Programm zusammen, das aus ukrainischen Liedern sowie Eigenkompositionen und Improvisationen der beteiligten Künstlerinnen in unterschiedlichen Besetzungen bestehen wird. Weitere Informationen geben wir in Kürze bekannt. Wir wünschen uns eine starke Beteiligung als Zeichen unserer Solidarität mit der Ukraine. Der vorgeschlagene Eintrittspreis beträgt 20,- EUR an der Abendkasse – oder gerne mehr. Ein Spendenkonto ist eingerichtet und wird in Kürze über https://stadtgarten.de/programm/freiheit5421 verfügbar sein. Auf unserer Website finden sich auch laufend alle aktuellen Informationen. Beteiligte Musikerinnen und Musiker (Stand: 27.02.2022): Tamara Lukasheva (vocals, piano), Marianna Sadovka (vocals), Matthias Schriefl (trumpet, euphonium, horn, tuba, vocals), Janning Trumann (trombone), Axel Fischbacher (guitar), Clemens Orth (piano), Jarry Singla (piano), Philipp Zoubek (piano, synth), Sebastian Gramms (doublebass), Jakob Kühnemann (doublebass), Joscha Oetz (doublebass), Janko Hanushevsky (e-bass), Dominik Mahnig (drums), Christian Thomé (drums), Syavash Rastani (percussion) Moderation: Antje Hollunder (WDR3)

Text Pressemitteilung Stadt Köln

Foto Pixabay

Kunst an Kölner Litfaßsäulen

Die Gedächtnislücke #12“ von Katharina Kohl befasst sich mit dem NSU-Terror

Erneut wechselt das Motiv auf den Kölner Kunstsäulen. In den Monaten Februar und März präsentiert die Künstlerin Katharina Kohl ihr Motiv „Gedächtnislücken #12“. Zu sehen ist ein überwiegend geschwärzter Text. Einige wenige Stellen sind hingegen weiß geblieben, die Worte an diesen hellen Stellen problemlos lesbar.

Das großformatige Werk „Die Gedächtnislücke #12“ sowie die 40 Drucke auf der gegenüberliegenden Seite der Säule zeigen eine Serie von ausgewählten Aktenblättern aus den Protokollen des NSU-Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestages. Dieser Ausschuss befasste sich mit dem jahrelangen mörderischen Terror des NSU, des Nationalsozialistischen Untergrunds, einer Terrorzelle, die viel zu lange unentdeckt agieren konnte. Wie viele öffentliche Stellen hatten daran ihren Anteil – aus Überlastung, aus Blindheit auf dem „rechten“ Auge? Der Untersuchungsausschuss sollte Klarheit bringen, zeigte im Wesentlichen jedoch auf, wie groß die Gedächtnislücken und wie gering der Wille zur Erinnerung bei Vertretern der Sicherheitsbehörden war. Kohl vertauscht auf intelligente Art das Verständnis von hell und dunkel. Die hellen Stellen bringen bei ihr kein „Licht ins Dunkel“, sie zeigen absolute Schwärze, Leere, auf – gespielt oder ehrlich, das macht keinen Unterschied.

Katharina Kohl hat 40 Protokollseiten ausgewählt und im Handdruck geschwärzt. „Die im Druck freigelassenen Stellen bezeugen verschiedene Formulierungen tatsächlicher oder vermeintlicher Gedächtnislücken“, so die Künstlerin. „Die geschwärzten Bereiche der Protokollseiten bleiben teilweise lesbar. Das Schwärzen dient lediglich dem Sichtbarmachen, nicht dem Verbergen des Inhaltes“. Die Serie gehört zu einem umfangreichen Werkkomplex, der sich mithilfe künstlerischer Techniken mit dem Personal der Sicherheitsbehörden auseinandersetzt. Dazu gehören neben Video- und Rauminstallationen auch 40 Aquarellporträts ausgewählter Personen, die von 1994 bis 2018 an entscheidenden Stellen mit der (Nicht-) Aufdeckung des NSU-Netzwerkes befasst waren.

Katharina Kohl (geb. 1956 in Treysa) lebt und arbeitet in Hamburg. Dort studierte sie von 1979 bis 1984 an der Hochschule für Bildende Künste. Eine Vielzahl von Ausstellungen im In- und Ausland zeugen von der Vielseitigkeit ihrer Kunst. Immer wieder verbindet Kohl auch den öffentlichen Raum mit ihrer Kunst, macht ihn zur Stätte, um Kunst zu erfahren.

Weitere Informationen zu den Kölner Kunstsäulen finden Sie unter: www.stadt-koeln.de/kunstsäulen

Pressemitteilung inkl Bild

Förderung von 40 Interkulturellen Zentren in 2022


Integrationsrat der Stadt Köln beschließt erstmals eigenständig

Nach Freigabe der entsprechenden Mittel durch den Finanzausschuss hat der Integrationsrat in seiner zweiten Sitzung im Jahr 2022 erstmals eigenständig als zuständiger Fachausschuss über die wichtige Förderung der vielfältigen Vereine entschieden. So fördert die Stadt Köln auch in diesem Jahr die rund 40 anerkannten Interkulturellen Zentren mit insgesamt 666.400 Euro. Dabei handelt es sich um eine pauschale Förderung der einzelnen Träger, die sie über das Einwerben weiterer Bundes- und Landesmittel sowie Spenden für Köln multiplizieren. In 2020 konnten auf diesem Wege mehr als neun Millionen Euro zur Finanzierung der interkulturellen Arbeit der Zentren verwendet werden.

Durch die Förderung wird die seit Jahren aufgebaute und bewährte Integrations- und Antidiskriminierungsarbeit dieser wichtigen Institutionen gewährleistet. In allen Stadtbezirken unterstützen die Interkulturellen Zentren mit ihren mehrsprachigen und auch digitalen Beratungs- und Bildungsangeboten viele Kölner*innen aller Altersgruppen.

Bettina Baum, Leiterin des Amtes für Integration und Vielfalt: „Die Interkulturellen Zentren in Köln sind in dieser Zeit besonders wichtige Orte für Kölner*innen mit Zuwanderungsgeschichte, die Bildungs-, Beratungs- und Informationsangebote für breite Zielgruppen machen.“

Weitere Informationen zu den Zentren finden sich im Internet unter:
https://www.ki-koeln.de/aufgaben/querschnitt/interkulturelle-zentren/

Pressemitteilung

Stadt Köln aktualisiert Bilder der städtischen Straßen

Ab dem heutigen Montag, 7. Februar 2022, sind erneut spezielle, mit Kameras und Laserscannern bestückte Fahrzeuge der Firma „CycloMedia Deutschland GmbH“ unterwegs. Im Auftrag der Stadtverwaltung erstellen sie hochauflösende und georeferenzierte 3D-Panoramaaufnahmen aller Kölner Straßen. Es ist die sechste Befahrung dieser Art.  

Die Panoramaaufnahmen sind nur ein bedeutender Baustein der Stadt auf dem Weg zur „Smart City“. Im zweiten Corona-Jahr 2021 verzeichnen die Panoramabilder erneut mehr als 230.000 Aufrufe durch die Verwaltungsmitarbeiter*innen. Die Zahl untermauert die Bedeutung der Panoramabilder im Alltag der städtischen Verwaltung und belegt den Erfolg dieser Maßnahme. Die Möglichkeit, am Schreibtisch örtliche Gegebenheiten zu beurteilen, mit Messungen zu ergänzen und diese gegebenenfalls zu teilen, wird fachübergreifend in fast allen Dienststellen und Ämtern genutzt.  

Die Fahrzeuge bewegen sich auf allen frei befahrbaren, öffentlichen Straßen und Fußgängerzonen, ausgeschlossen sind private Straßen und Autobahnen. In den Aufnahmen werden alle Gesichter und Kfz-Kennzeichen unkenntlich gemacht. Erst danach werden sie für die interne Nutzung zur Verfügung gestellt. Die diesjährige Befahrung dient der Aktualisierung des Bildbestandes, denn nur aktuelle Bilder eignen sich verlässlich.Stadt Köln – Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

The Garden Of Equilibrium“

Performative Rauminstallation mit Yoshie Shibahara in der artothek

Die performative Rauminstallation „The Garden of Equilibrium“ ist ein Projekt der Choreographin und Performerin Yoshie Shibahara. Der obere Teil der artothek ist durch eine dünne Trennschicht, eine Membran in Form einer Folie, vom unteren Teil getrennt. Je nach Licht und Position des Betrachters ändert sich deren optische Durchlässigkeit. „The Garden of Equilibrium” ist wesentlich vom Mihokan Atrium in Shimane, Japan, dem Heimatort Yoshie Shibaharas, inspiriert. Das ehemalige Ryokan (Reisegasthaus) ist im architektonischen Sukiya-Stil der vorindustriellen Zeit Japans erbaut, mit der charakteristischen Beziehung zwischen Innen und Außen. Der zentrale Innenraum des Atriums war gleichzeitig Außenraum: ein Garten.

Eine wichtige Rolle in Yoshie Shibaharas Werk spielen „ursprüngliche Landschaften“, die jeder Mensch, geprägt durch die frühe Kindheit, tief im Herzen verankert, besitzt. Oft sind es eher imaginäre, als reale Landschaften. „The Garden of Equilibrium” führt das Publikum auf eine Reise in seine eigenen „ursprünglichen Landschaften” und bietet eine neue Form der Wahrnehmung und des Erlebens. Unsere Wahrnehmung pendelt stets zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein. Die Grenze, die in „The Garden of Equilibrium” als Trennschicht visuell erlebbar ist, wird mit der Zeit immer durchlässiger und lenkt die Aufmerksamkeit auf Dinge und Phänomene, die unserer bewussten Wahrnehmung entwischen. Es ist eine Einladung, diese Dinge erneuert zu reflektieren.

Yoshie Shibahara:​ ​ ​ ​ ​ Künstlerische Leitung/Konzept/Installation/Performance

Susanne Kubelka:​ ​ ​ ​ ​ Live Musik/Bildnerische Zusammenarbeit/Performance

Egbert Mittelstädt:​ ​ ​ ​ ​ Realisation Licht und Technik

David N. Koch:​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ Dramaturgische Zusammenarbeit

Pressemitteilung Foto Yoshie Shibahara

Interim des Kölnischen Stadtmuseums im ehemaligen Modehaus Sauer

Stadtrat gibt Mehrkosten frei – sind durch Einsparungen aus dem Vorjahr gedeckt

Der Rat der Stadt Köln hat in seiner Sitzung am Donnerstag, 3. Februar 2022, abschließend über die Freigabe der Mehrkosten für den Umzug und die Einrichtung der neuen Dauerausstellung des Kölnischen Stadtmuseums im ehemaligen Modehaus Franz Sauer entschieden. Diese Mehrkosten gegenüber dem Ratsbeschluss von 2018 werden durch Einsparungen im Jahr 2021 aus den vorhandenen Mitteln des Kölnischen Stadtmuseums gedeckt, das heißt: Es müssen keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Hierbei handelt es sich um einmalige Mehrkosten von rund 2,38 Millionen Euro. Hintergrund der Kostensteigerungen sind unter anderem notwendige Maßnahmen für den Museumsbetrieb, die zum Ratsbeschluss 2018 – durch den noch nicht erfolgten Umbau des Gebäudes seitens des Vermieters – nicht abzusehen oder planbar waren. Dies betrifft beispielsweise die Kosten für die Ausstattung des Foyers, da durch bauliche Änderungen in diesem Bereich der komplette Abriss der vorhandenen Einrichtungen notwendig wurde.

Weitere Kostensteigerungen sind auf zusätzliche Einbauten zur Erweiterung der – auf 750 Quadratmeter begrenzten – Ausstellungsflächen zurückzuführen, aber auch auf die notwendige Anpassung digitaler Techniken an neue Standards. Auswirkungen hatten zudem pandemiebedingte Preissteigerungen.

Ein Mehrbedarf von 890.000 Euro entsteht zudem bei der Einrichtung von Werkstätten, Bibliothek, Graphischer Sammlung und Ausstellung, in Bereichen, wo die Detailplanungen erst nach Abschluss des Mitvertrages 2019 erfolgen konnten. Für die Ausstattung der Mitarbeiter*innen-Büros fielen dagegen kaum Kosten an, da die Büromöbel aus den ehemaligen Räumen in der Zeughausstraße weitgehend mitgenommen wurden.

Pressemitteilung

Stadt Köln und Land Nordrhein-Westfalen erweitern das „zamus“ zum europäischen Musik-Hotspot
Studio für Elektronische Musik des WDR zieht ins Zentrum für Alte Musik Köln

Am Donnerstag, 3. Februar 2022, hat der Rat der Stadt Köln beschlossen, das „zamus​ – Zentrum für Alte Musik“ gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen auszubauen und im Zuge dieses Ausbaus das „Studio für Elektronische Musik des WDR“ dauerhaft in Köln anzusiedeln und wieder in Betrieb zu nehmen. Köln erhält damit ein bundesweit einzigartiges Musikzentrum – und das in einem der lebendigsten Viertel von Köln, nämlich auf dem Heliosgelände in Köln-Ehrenfeld, einem Hotspot der Kreativszene.

Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Stadt Köln sowie der Westdeutsche Rundfunk (WDR) haben für die gemeinsame Entwicklung dieses kulturpolitischen Schatzes die letzten eineinhalb Jahre mit den Trägervereinen, dem Arbeitskreis „Studio Elektronische Musik“ sowie dem Vermieter der Immobilie in Ehrenfeld ein Umbau- und Betriebskonzept entwickelt. Der Ratsbeschluss ist nun der Startschuss für eine vierjährige Ausbau- und Aufbauphase zum zamus 2.0/SEM.
Die Stadt Köln hat gestern einen sukzessive ansteigenden Betriebskostenzuschuss für zamus 2.0/SEM jährlich in Höhe von bis zu 791.000 Euro ab 2026 an die „Kölner Gesellschaft für Alte Musik e.V.“ sowie den „ON – Neue Musik Köln e.V.“ (plus 180.000 Euro bisherige städtische Programmförderung an ON) beschlossen. Das Land NRW plant ebenso einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 791.000 Euro an zamus 2.0/SEM.

Ziel der langfristigen Förderung in Form eines Betriebskostenzuschusses ist der Ausbau des schon bekannten zamus zu einem internationalen Produktions- und Veranstaltungszentrum und die Wiederinbetriebnahme des historischen Studios für Elektronische Musik des WDR (SEM).

Mit der Flächenverdopplung für das zamus und der Wiederinbetriebnahme des Studios für Elektronische Musik des WDR entsteht ein lebendiger Ort der künstlerischen Produktion, der Lehre und Vermittlung sowie der wissenschaftlichen Forschung. Von diesem europäischen Innovations-Hub für die Musik werden wichtige künstlerische Impulse in der Zukunft ausgehen. Ebenso wie die Alte Musik kann nun auch Elektronische Musik adäquat erforscht, aufgeführt und gehört werden. Mit dem zamus 2.0/SEM entsteht das Zentrum für authentische Aufführungspraxis. Köln und Nordrhein-Westfalen stärken so ihren Ruf als Hochburg der Alten Musik wie der Neuen Musik.

​Oberbürgermeisterin Henriette Reker: „Im neuen zamus forschen Musikerinnen an Alter Musik, können sich im exzellent sortierten Archiv informieren, es finden Workshops und Konzerte statt. Der jetzige Ausbau des ZAMUS und die Erweiterung auf 2.250 Quadratmeter tragen dieser positiven Entwicklung Rechnung und verbessern die Arbeits- und Probenbedingungen der Akteurinnen der Alten Musik nachhaltig. Mit dem Ratsbeschluss wird aber auch der Grundstein dafür gelegt, dass das musikhistorisch bedeutende Studio für Elektronische Musik des WDR mit einem neuen Konzept den Musiker*innen, Studierenden der Hochschulen in NRW und dem interessierten Publikum aus aller Welt wieder zugänglich gemacht wird – nicht als museales Objekt, sondern für die Komposition und Produktion elektronischer Klänge, wie kein Computer sie schaffen kann. Dies war möglich dank des Schulterschlusses zwischen dem Land Nordrhein-Westfalen, der Stadt Köln und dem WDR.“

Der Erhalt und der Ausbau von Infrastruktur ist eines der vorrangigen Ziele der Kulturentwicklungsplanung der Stadt Köln. Die Kombination aus Traditionspflege und künstlerischer Innovation ist das Alleinstellungsmerkmal von zamus 2.0/SEM. Es gibt keine vergleichbare Kultureinrichtung, die solche vielfältigen Möglichkeiten des Zusammenspiels unterschiedlicher musikalischer Formen und Genre bietet.

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen: „Mit dem Beschluss des Rates der Stadt Köln wird nun ein lange währender Prozess zu einer vielversprechenden Lösung geführt. Gemeinsam mit der Stadt Köln stärken wir als Land das erfolgreiche Zentrum für Alte Musik und sichern gleichzeitig das Studio für Elektronische Musik des WDR an einem adäquaten Ort in Nordrhein-Westfalen. Wir zeigen, wie ein großartiges historisches Kulturgut durch Musikerinnen und Musiker mit Leben erfüllt werden und neue musikalische Prozesse begünstigen kann. Durch diese Zusammenführung von Alter Musik und Neuer Musik schaffen wir einen einzigartigen musikalischen Ort voller Synergien, von dem die Musikszene in Köln, in Nordrhein-Westfalen und weit darüber hinaus profitieren wird.“

In den vergangenen zehn Jahren ist die Kölner Szene der Alten Musik stark gewachsen: Neue künstlerische Impulse wurden gesetzt, überregionale Vernetzungen ausgebaut sowie Weiterbildungs- und Förderprogramme ins Leben gerufen. Insbesondere hat sich das zamus aufgrund seiner derzeitigen Entwicklung und der herausragenden musikalischen Leistungen und Vielfalt seiner Mitglieder zu einem Leuchtturmprojekt der internationalen Musiklandschaft entwickelt. Der jetzige Ausbau und die Erweiterung trägt dieser positiven Entwicklung Rechnung.

Das Konzept zamus 2.0/SEM, das in Abstimmung mit dem Kölner Kulturamt von der Kölner Gesellschaft für Alte Musik e.V. und dem Arbeitskreis „Studio elektronische Musik“ erstellt wurde, formuliert die wesentlichen Ziele und Aufgaben des zukünftigen Musikzentrums. Durch die räumliche Erweiterung können nun die ohnehin bestehenden sowie weiter gewachsenen Anforderungen an die Arbeit des zamus umgesetzt werden. Das zukünftige Raumangebot umfasst einen Proben- und Konzertsaal von 300​ Quadratmetern für 150 Personen (Helios-Saal), einen Proben- und Konzertsaal von 265 Quadratmetern für 130 Personen (Ehrenfeld-Saal), einen kleinen Probensaal von 30 Quadratmetern, ein zentrales Foyer, ein weiteres kleines Foyer mit Empfang, 12 Büroräume, einen Coworking Space für sechs Personen, vier Gästezimmer, vier Übezellen, eine Küche, Sanitärräume, zwei Garderoben, Instrumentenlager, weitere Lagerräume sowie das Studio für Elektronische Musik (SEM) einschließlich Lager, Werkstatt und Personalräume von 260 Quadratmetern.
Es sind drei Hauptaufgaben, die das zukünftige Studio für Elektronische Musik erfüllen wird: kreative und exzellente künstlerische Produktion, Lehre und Vermittlung sowie wissenschaftliche Forschung. Entsprechend sind für das Studio Stipendien- und Residenz-Programme, Kooperationen mit den Musik- und Medienhochschulen des Landes Nordrhein-Westfalen sowie die Öffnung für die interessierte Öffentlichkeit vorgesehen.

Damit das Konzept umgesetzt werden kann, werden die Betriebskostenzuschüsse der beiden Trägervereine der „Kölner Gesellschaft für Alte Musik e.V.“ (KGAM) und „ON – Cologne e.V.“ erhöht, wobei sich die Stadt Köln und das Land Nordrhein-Westfalen darauf verständigt haben, die Kosten zu gleichen Teilen zu tragen. Der WDR übergibt das Studio für Elektronische Musik des WDR an ON – Neue Musik Köln e.V.

Stefan Charles, Beigeordneter für Kunst und Kultur der Stadt Köln: „Das Konzept zum zamus 2.0/SEM hat mich sofort überzeugt. Hier gewinnt ein renommierter Kulturstandort noch mehr Glanz und Ausstrahlung, und Produktionsbedingungen für Künstlerinnen werden weiter verbessert. Dieses Projekt ist ein tolles Beispiel, wie im Sinne von Nachhaltigkeit künstlerische Vernetzung und strukturelle Synergien gestaltet werden können, damit inspirierende Orte für Bürgerinnen und Kulturschaffende entstehen.“

Mélanie Froehly, Geschäftsführerin ZAMUS und KGAM e.V.: „Wir sind überaus glücklich und dankbar, dass unsere dreijährige intensive Planungs- und Konzeptarbeit für den Ausbau des zamus von der Stadt Köln und dem Land NRW so anerkannt wird und diese Finanzierung es uns nun ermöglicht, das zamus auf unserem schon seit Langem beschrittenen Weg zu einem einzigartigen europaweiten Zentrum für Alte Musik weiter voranzubringen.“

Matthias Kremin, Programmbereichsleiter WDR 3/WDR 5: „Mit dem Studio für Elektronische Musik hat der WDR Kulturgeschichte geschrieben. Ich freue mich sehr, dass es nun gelingt, diese kulturelle Errungenschaft im zamus 2.0/SEM in die Gegenwart zu überführen, umso schöner in der Musikstadt Köln.“

Daniel Mennicken, Geschäftsführer ON – Neue Musik Köln e.V.: „Wir freuen uns, dass das Elektronische Studio des WDR nun in Ehrenfeld ein Zuhause finden wird und damit perspektivisch zahlreichen Komponistinnen, Künstlerinnen und Forscher*innen eine einmalige und bedeutsame Wirkungsstätte bereitet wird. Kölns historisches Erbe aufbereitet für die Zukunft.“

Kurzform Konzept und Ziele

zamus 2.0/SEM in Köln und in ganz Nordrhein-Westfalen – der europäische Innovations-Hub für die Musik. Das Ziel: Das europaweite Potenzial heben aus der Synergie des Zentrums für Alte Musik (zamus 2.0) mit dem Studio für elektronische Musik des WDR (SEM).

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Ort der Kreativität und der Exzellenz: Das zamus wird das europaweite Zentrum für Alte Musik. Es vereint wissenschaftliche Forschung und experimentelle Produktion über das Musikrepertoire der Vergangenheit.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Musik-Hotspot in Köln-Ehrenfeld: Das zamus wird durch optimale Probe- und Produktionsbedingungen ein Hotspot für Solist*innen und Ensembles mit vielen Konzerten in drei Sälen, Instrumentenpool und Büroräumen.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Internationaler Innovations-Hub: Die Avantgarde der Alten Musik kann innovative und anspruchsvolle Formate entwickeln und umsetzen. 2021 kamen Gäste beispielsweise aus Barcelona, Berlin, Brüssel, Paris, Katowice.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Talentförderung: Das zamus findet junge Musiktalente und weiß sie zu fördern: Professionalisierung, Vernetzung, Stipendien. Eine wettbewerbliche Unterstützungsstruktur bringt künstlerisches Renommee nach Köln und NRW.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Künstlerische Vielfalt: Beim zamus zählt Qualität, nicht Größe. Das zamus 2.0 ist ein Ermöglichungsraum. Es fördert kulturelle Vielfalt und künstlerische Exzellenz am Heimatort der zweitgrößten Musikhochschule Europas.

SEM: Das Studio für elektronische Musik des WDR (*1953) ist die Wiege der elektronischen Musik weltweit. Es ist ein Kulturgut von internationalem Rang. Seine Wieder-Inbetriebnahme setzt eine künstlerische Zäsur in der elektronischen Musik und wird weltweit beachtet werden.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Künstlerische Produktion: Es gibt eine große Nachfrage, mit der einzigartigen historischen Gerätesammlung elektronische Musik des WDR zu komponieren.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Vermittlung und Kooperation: Mit dem zamus 2.0 / SEM wird Musik authentisch aufgeführt. Wichtige elektronische Musik kann endlich gehört werden!

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Forschung: Entwürfe, Pläne, Skizzen, Fotographien, Filme, Partituren und Memorabilia sind Musik-, Medien- und Kulturwissenschaften zugänglich und eröffnen neue touristische Möglichkeiten für eine moderne Musikstadt Köln.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​musikalische Vielfalt: Die Einflüsse in die Popmusik und den Jazz verbinden mit allen innovativen Musiker*innen in Köln und NRW: Neues wird entstehen.

·​ ​ ​ ​ ​ ​ ​ ​Praktische Synergie: Probenräume und Säle werden pro Stunde und pro Tag vermietet. Studierende und Ensembles finden passende Lösungen.

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